
20.-Juli-Feier: Buchenwald-Leiter lobt Angriff auf AfD-Kranz, AfD spricht von "ehrloser" Tat

Am Montag kam es anlässlich der Gedenkfeier an das Hitler-Attentat in Berlin zu einem Eklat – RT DE berichtete. Zwei Aktivisten, darunter der Publizist und ehemalige Kommunikationschef der Funke-Mediengruppe Tobias Korenke, rissen einen Gedenkkranz aus den Händen eines AfD-Delegierten und beschädigten ihn. Korenke ist in der Öffentlichkeit als Großneffe des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer bekannt. Für seine gewalttätige Handlung am Gedenkort bekam er viel Zuspruch.
Kein Geringerer als der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald Jens-Christian Wagner schaltete sich die Debatte ein und verteidigte den Angriff. Die Teilnahme einer Partei wie die AfD bei einer solchen Gedenkveranstaltung sei "ein Affront gegen die Würde der Opfer der NS-Verbrechen", erklärte Wagner der Rheinischen Post.
"Für das Vorgehen von Tobias Korenke habe ich deshalb vollstes Verständnis, mehr noch: Er hat dafür einen Preis für Zivilcourage gegen Geschichtsrevisionismus und extrem Rechte verdient."
Aus den Reihen der Partei werde suggeriert, man befinde sich heute selbst in einer Art Widerstand gegen wechselnde politische "Regime", ob von Angela Merkel, Corona, der Ampel oder Friedrich Merz. Zugleich erhob Wagner schwere Vorwürfe gegen AfD-Politiker. Aus der Partei kämen immer wieder geschichtsrevisionistische, holocaustverharmlosende oder NS-verherrlichende Positionen.

Auch die Stiftung 20. Juli äußerte sich in einer Stellungnahme bereits zu dem Vorfall. Zum einen bestätigte sie, dass der Bonhoeffer-Nachfahre Korenke in die Rangelei verwickelt war, zum anderen verletze die jährliche AfD-Kranzniederlegung im Bendlerblock viele Angehörige der Frauen und Männer des Widerstands "zutiefst". Vieles, wofür die AfD stehe, "steht im Widerspruch zu [deren] Überzeugungen", hieß es weiter.
Derweil meldete sich auch Korenke selbst zu Wort. Der Süddeutschen Zeitung erklärte er seine Motive. Er habe den AfD-Kranz gesehen und sofort gedacht: "Das hat hier nichts zu suchen." Dass auch die AfD der Widerstandskämpfer gedenke, empfinde er als "Provokation" und "ungeheuerliche Geschmacklosigkeit". Zur AfD selbst hat er ebenfalls eine klare Haltung:
"Es ist ganz offensichtlich, dass die AfD zu allen Diktaturen ein Liebesverhältnis pflegt. Sowohl zum Nationalsozialismus als auch zur SED-Diktatur. Übrigens auch zur russischen Diktatur."
Als Großneffe des berühmten evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers sieht sich Korenke offenbar in der Position einer moralischen Instanz. Neben der AfD steht auch das "diktatorische" Russland im Fokus seiner Kritik. So sagte er in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau, für seinen Großonkel wären "der Nationalismus der AfD, die radikale, unmenschliche Migrationshaltung oder die Solidarität mit einem Staatslenker, der ein anderes Land überfällt, völlig untragbar gewesen".
Auch Karl Schenk Graf Stauffenberg, Enkel des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, äußerte sich zu dem Vorfall. Der AfD dürfe man eine Kranzniederlegung nicht verwehren, sagte er und fügte an, "dafür sind wir Demokraten".
Zugleich nannte er den Umgang der AfD mit seinem Großvater "ganz grauenhaft und ganz widerlich". Die Partei missbrauche das Stauffenberg-Erbe für eigene Zwecke.
AfD reagiert: Antidemokratisch und ehrlos
In der AfD rief der Eklat Ermpörung hervor. Der Chef der internen Arbeitsgemeinschaft Geschichte der AfD-Bundestagsfraktion Götz Frömming teilte der Jungen Freiheit mit, die Fraktion sei zu der Veranstaltung als im Bundestag vertretene Partei eingeladen worden. Gegenüber der Zeitung kritisierte Frömming das Verhalten Korenkes scharf.
"Meines Wissens war Herr Korenke jahrelang im Medienbereich tätig, zuletzt als Kommunikationschef der Funke-Gruppe. Er wusste also, welchen Effekt er mit dieser Aktion erzielen würde."

Da er zudem SPD-Mitglied sei, speche einiges dafür, "dass er die Gedenkveranstaltung vorsätzlich genutzt hat, um die AfD vor den wichtigen Wahlen im September zu diskreditieren. Mit dieser peinlichen Aktion wird er aber eher das Gegenteil erreichen. Die Symbolik des von ihm geschändeten Kranzes spricht für sich".
Die AfD bezeichnete das Eingreifen Korenkes als "beschämenden Zwischenfall". "Der historische Ort, an dem Claus Schenk Graf von Stauffenberg und weitere Mitverschwörer nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 erschossen wurden, wurde so zur Bühne für eine ehrlose Aktion", so die AfD in einer Stellungnahme auf X. Wer so ehrlos agiere, beschmutze nicht nur das Andenken der einstigen Widerstandskämpfer – sondern auch die Demokratie.
Die AfD-Abgeordnete Nicole Höchst warf Korenke die Vereinnahmung des Gedenkens vor. Auf X fragte sie: "Wer hat das Recht zu bestimmen, wer wem an welchen Gedenktagen gedenkt? Und wer das nicht darf?" Es sei Korenkes persönliches Problem, wenn ihm "die Gedenkgesellschaft nicht passt". Nichts gebe ihm das Recht, Kränze zu zerstören oder sonst wie "ordnend" (gewalt-)tätig zu werden.
Ihren kritischen Post schrieb die Politikerin am gestrigen Abend, als vom Zuspruch zur Tat durch Gedenkstätten-Leiter Wagner noch nichts bekannt war. Offenbar in Erahnung solcher Reaktionen machte sie klar: "Die selbsternannten Superdemokraten sind da wohl falsch abgebogen und befinden sich rasant auf der Spur Richtung Totalitarismus."
Die AfD legt die Kränze nicht nur am Stauffenberg-Gegenktag nieder. So wurde am 8. Mai ein Kranz der AfD-Hauptstadtfraktion mit der Widmung "Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft" am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Schönholz gesichtet.
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