
Russland: NATO-Waffenprogramm für Kiews Aufrüstung Grund für "horizontale Eskalation"

Die Pläne der NATO-Staaten, für das Militär des Kiewer Regimes neue, fortgeschrittene Langstreckenwaffen zu entwickeln, geben Russland zusätzliche Gründe, den Betrieben, die an derartiger Arbeit beteiligt sind, besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Diese Warnung sprach Maria Sacharowa, die Sprecherin des Außenministeriums der Russischen Föderation, in einer Mitteilung auf der Internetpräsenz der russischen Diplomatiebehörde aus.

Grund hierzu gab ein Programm, das die NATO Ende Juni annoncierte: Es geht um die Entwicklung neuer, fortschrittlicher Langstrecken-Waffensysteme für den Gebrauch durch das Militär des Kiewer Regimes. Mit ihnen soll dieses die Fähigkeit erhalten, Militärflugplätze und Luftwaffenstützpunkte tief in Russlands Landesinnerem zu neutralisieren. Von diesen Flugplätzen aus starten Langstreckenbomber und andere Kampfflugzeuge mit Marschflugkörpern, Lenkgleitbomben und den quasi ballistischen Hyperschall-Lenkraketen Kinschal zu Angriffen auf militärisch relevante Ziele in der ehemaligen Ukrainischen Sowjetrepublik im Rahmen der militärischen Sonderoperation Russlands gegen das Kiewer Putschisten-Regime. Das Programm ist als eine Ausschreibung konzipiert, in deren Rahmen die Teilnehmer mit den besten Ideen mit bis zu 250.000 Euro belohnt werden. In Betracht zieht man unter anderem Kamikazedrohnen – neben "klassischen" Starrflügler-Kamikazedrohnen zum Langstreckeneinsatz auch loitering munitions (in etwa "bummelnde" oder "lungernde" Munition – was den bereitschaftspatrouillenartigen Einsatzcharakter dieser Drohnen-Art widerspiegelt) sowie Kamikazedrohnen, die in Schwärmen agieren sollen. Gemäß den Anforderungen sollen die in den Konzepten vorgeschlagenen Maschinen unter den Bedingungen aktiver elektronischer Kampfführung noch wirksam agieren, ohne Satellitennavigation ihre Ziele anfliegen können und gleichzeitige Angriffe gegen mehrere Ziele gewährleisten. Eine Vorführung von Prototypen der potenziell besten Konzepte soll am dritten September in Polen stattfinden.
Diese Ausschreibung nahm Moskau sehr ernst. Russlands Außenamtssprecherin hält zunächst fest:
"Es wird ein Ziel der strategischen Größenordnung gesetzt: Eine 'nachhaltige Verhinderung von Operationen, die der Feind von Flugplätzen aus durchführt', zu gewährleisten – mit dem Zweck, 'die militärische Luftwaffenkampagne des Gegners in ihren Grundlagen zu torpedieren'.
Dabei wird ein Fehlen 'ständiger Kontrolle durch den Menschen' über die betreffenden Waffen als zulässig betrachtet, während ihre Einsatzreichweite de facto nicht eingeschränkt wird.
Vorangetrieben und beworben wird das Projekt durch das Allied Command Transformation – unter Beteiligung des NATO-ukrainischen Gemeinsamen Zentrums für Analyse, Schulung und Weiterbildung (JATEC), das offen als 'Element der NATO-Kommandostruktur' positioniert wird."
Maria Sacharowa erklärt anschließend, wie Moskau diesen Vorstoß wertet:
"Im Ganzen reihen sich die angeführten Fakten nahtlos ins bereits bekannte, bestehende Bild ein:
Die zunehmende Integration der Aktivitäten der NATO-Kommandostrukturen mit deren Gegenstücken beim Kiewer Regime gewinnt an Fahrt – in den Bereichen gemeinsamer Suche, Entwicklung und Einführung von militärischen Lösungen für einen Einsatz gegen Russland, und zwar bei gleichzeitigem Zusammenwachsen der militärisch-industriellen Komplexe der Ukraine und der Bündnisstaaten. Wobei die Letztgenannten im Wesentlichen das strategische Hinterland Kiews bilden."
Sacharowas obige Erklärung ist noch von Zurückhaltung in den Formulierungen geprägt – doch einfache Logik diktiert, dass man eine Entwicklung wie die von ihr beschriebene nicht mehr anders werten kann, als dass die NATO den Ukraine-Konflikt nicht mehr bloß als einen Stellvertreterkrieg mit den Händen des ukrainischen Militärs gegen Russland führt, sondern zunehmend auch unmittelbar. Russlands Außenminister Sergei Lawrow brachte vor kurzem eine ähnliche Wertung an.
Seitens des Westens machte mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nun auch der Staatschef einer bedeutenden (nicht zuletzt auch, weil nuklearen) europäischen NATO-Macht zwei dahingehende Geständnisse: einmal am 19. Juni 2026, als er der EU eine Vermittlerrolle im Ukraine-Konflikt absprach und den Wirtschaftsbund im Krieg an Kiews Seite stellte, und einmal ein halbes Jahr früher, als er festhielt, dass Frankreich mittlerweile zwei Drittel aller militärisch relevanten Aufklärungsdaten liefert, die Kiew aus dem Ausland erhält, und in dieser Rolle die USA ersetzt hat.
Etwas weniger zurückhaltend ist die daraus folgende Warnung an die Führungsriegen der NATO-Länder vor einer geografischen Ausweitung des Ukraine-Krieges gen Westen – anders nämlich lässt sich der Ausdruck "waagerechte Eskalation" kaum verstehen. Russlands Außenamtssprecherin wörtlich:
"Wir registrieren somit, dass das Nordatlantikbündnis nach und nach den letzten Rest der Rationalität verliert und in einen Bereich des erhöhten Risikos abdriftet – während es die Ukraine maximal als Testgelände für heutige und möglicherweise künftige Militärtechnologien und Waffensysteme ausnutzt … eine Rolle, die es so großzügig an die Ukraine delegiert hat, die jedoch in Wirklichkeit recht wenig Anlass zum Neid bietet.
Dabei werden die zerstörerischen Folgen derartiger 'Crashtests' für dieses postsowjetische Land durch die NATO-Strategen offen ignoriert – während die Gefahr eines Fortschreitens der Eskalation, auch einer 'waagerechten', ebenfalls eindeutig unterbewertet wird."
Kiews Hoffnungen, seine prekäre Gefechtslage auf dem Schlachtfeld ins Gegenteil umzukehren, und auf deren Umsetzung es auch im Rahmen des eingangs beschriebenen NATO-Vorstoßes hinarbeitet – und zwar durch ein Hineinziehen der NATO in einen unmittelbaren bewaffneten Konflikt mit Russland – sind derweil als irrationale Fantasterei einzustufen, was offen auf der Hand liegt, so die Diplomatin. Resümierend wird sie noch deutlicher:
"Aufs Wesentliche beschränkt, drängt sich die Feststellung auf, dass der Verbund Ukraine – NATO durch seine von verstandloser Aggression geprägten Schritte dem Militär Russlands zusätzliche Gründe liefert, jedweden Betrieben, die an der Entwicklung und Herstellung von gegen unser Land eingesetzten Waffen beteiligt sind, erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen.
Gerade von einer solchen Position aus werden wir sowohl die jetzige Lage werten als auch die Aussichten auf ihre Weiterentwicklung."
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